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Bundes-Monitoringausschuss und Kärntner Monitoringausschuss luden zur gemeinsamen Öffentlichen Sitzung, die zum ersten Mal online und in Präsenz stattfand. Rund hundert Teilnehmer*innen diskutierten über die Auswirkungen von Klimakrise und Katastrophenschutz auf Menschen mit Behinderungen. Eine Stellungnahme wurde angekündigt.

Nachbericht von Hannah Wahl

Heinz Pfeifer und Tobias Buchner stehen auf der Bühne. Im Hintergrund sieht man zwei Bildschirme. Links den Schriftdolmetsch und rechts einen Teil der Powerpointpräsentation. Rechts vorne im Bild sieht man eine Kamera, die auf die beiden gerichtet ist.

Heinz Pfeifer und Tobias Buchner stehen auf der Bühne. © UMA, KMA

Nach zahlreichen positiven Rückmeldungen über die Möglichkeit online teilzunehmen, entschieden sich die Monitoringausschüsse die diesjährige Veranstaltung gleich in zwei Formaten anzubieten. So konnte man entweder vor Ort im Casineum Velden oder vom Bildschirm zu Hause aus teilnehmen. Um den Charakter des Austausches und der Partizipation aufrecht zu erhalten wurden Wortmeldungen aus dem Online-Chat während der Publikumsdiskussion eingebracht.

Einleitend verwies Tobias Buchner, stv. Vorsitzender des Bundes-Monitoringausschusses, auf die Flutkatastrophe letztes Jahr in Deutschland, bei dem in einem Wohnheim zwölf Menschen mit Behinderungen ertranken, da es keine entsprechenden Evakuierungspläne gab. Buchner machte damit auf die Aktualität des Themas aufmerksam und betonte, dass Menschen mit Behinderungen in Katastrophenfall häufig schlicht vergessen werden. Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichte die Republik in mehreren Artikeln, Menschen mit Behinderungen in Gefahrensituationen zu schützen und ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Anschließend sprach Heinz Pfeifer vom Kärtner Monitoringausschuss, der auch die Moderation an diesem Tag übernahm. Er betonte, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Klima- und Katastrophenschutz auseinanderzusetzen. Notfallpläne würden Barrierefreiheit und besonders das Zwei-Sinne-Prinzip nicht ausreichend berücksichtigen. Auch wenn nur 10 Prozent der Menschen auf Barrierefreiheit angewiesen ist, ist sie doch für niemanden von Nachteil, weiß Pfeiffer.

Andrea Schöne, freie Journalistin, referierte zum Thema „Ökoableismus und Wahrnehmung von behinderten Menschen in der Klimakrise“ und brachte das Beispiel des 9-Euro-Tickets für den öffentlichen Verkehr in Deutschland ein. Was als klimafreundliche und gleichzeitig ökonomisch-entlastende Maßnahme gedacht war, führte zu Problemen für Menschen mit Behinderungen. Durch die völlig überlasteten Züge waren kaum Rollstuhlplätze frei und überhaupt war es beinahe unmöglich, in den Zug zu kommen. Weiters ging Schöne u.a. auf die Situation von behinderten Menschen im globalen Süden ein, die sich aufgrund des Klimawandels zunehmen zuspitzt und zeigte, wie wichtig es ist „Behindertenrechtsaktivismus“ und Umweltaktivismus zu verbinden.

Heinz Pfeifer kündigt die Podiums-Diskussion an. ER steht links neben dem Podium. Andrea Schöne, Johanna Mang, Tobias Buchner und Markus Hudobnik diskutieren mit dem Publikum. Hinter dem Podium sieht man die Powerpoint-Folie auf der Podiums-Diskussion steht.

Heinz Pfeifer kündigt die Podiums-Diskussion an. Andrea Schöne (links am Podium), Johanna Mang, Tobias Buchner und Markus Hudobnik diskutieren mit dem Publikum. © UMA, KMA

„Mich, dich die ganze Welt: die Klima-Krise trifft uns alle“ lautete der Titel des Vortrages von Johanna Mang, Mitglied im Bundesmonitoringausschuss und Leiterin der anwaltschaftlichen Arbeit bei Licht für die Welt. Sie nahm einen globalen Blick vor und zeigte auf, dass 80 Prozent aller Katastrophen auf den Klimawandel zurückzuführen seien. Die Folgen seien besonders für Menschen mit Behinderungen verehrend. Mang stellte in diesem Kontext die Verantwortung von Österreich als Mitverursacher der Klimakrise heraus, inklusive Katastrophenhilfe und Entwicklungsarbeit zu leisten. Besonders essenziell sei es Menschen mit Behinderungen als Expert*innen anzuerkennen und sie rechtzeitig in alle Belange einzubinden.

Die 4-stündige Veranstaltung endete nach einer gemeinsamen Podiumsdiskussion, die unter Beteiligung des Publikums online und offline stattfand. Neben den Vortragende brachte sich auch Markus Hudobnik, Katastrophenschutz-Beauftragter des Landes Kärnten, ein. Gemeinsam wurde u.a. erörtert, wie inklusiver Katastrophenschutz in Zeiten von Klimawandel aussehen muss.

Ein Ziel der Monitoringausschüsse war es, die Veranstaltungen online und vor Ort barrierefrei abzuhalten. Dazu wurden viele wichtige Maßnahmen getroffen: Gebärdensprachdolmetschung, Schriftdolmetschung, Graphic Recording, Zusammenfassungen in einfacher Sprache, eine mobile Induktionsschleife sowie ein barrierefreier Zugang online wie offline. Die Monitoringausschüsse freuen sich auch auf Rückmeldungen zum Barrierefreiheitskonzept und Hinweise darauf, was noch verbessert werden kann.

Man sieht 15 Personen in der Halle des Casinos. Es sind die Mitglieder der beiden Monitoringausschüsse, Unterstützende Personen und das Organisationsteam. Sie tragen alle Namensschilder und lachen in die Kamera.

Mitglieder der beiden Monitoringausschüsse, das Organisationsteam und Mitwirkende an der Öffentlichen Sitzung. © UMA, KMA


Die komplette Veranstaltung können sie kostenlos und in voller Länge nachsehen: https://monitoringausschuss.onlineveranstaltung.at

Bis 30. September 2022 besteht noch die Möglichkeit sich mit Erfahrungen und Statements an den Monitoringausschuss zu wenden. Alle Eingaben fließen anonymisiert in die Stellungnahme zum Thema „Klimakrise & Katastrophenschutz“ ein, die kommendes Jahr publiziert wird.

Man sieht das Publikum. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schauen konzentriert in Richtung Bühne.

Die Teilnehmer*innen stellten Fragen und brachten ihre eigene Meinung ein. © UMA, KMA


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